Du bist shortstacked. Du schiebst alles rein. Der Spieler hinter dir callt. Ein dritter Spieler re-raist. Der Dealer beginnt, die Chips in zwei Stapel zu trennen.
Und du hast keine Ahnung, was da gerade passiert.
Ich saß selbst schon an diesem Tisch. Bei meinem ersten All-in in einem Live-Cash-Game wusste ich weder, ob ich überhaupt noch etwas gewinnen konnte, noch ob der andere Spieler re-raisen durfte — nicht einmal, welcher Chipstapel eigentlich meiner war. Erklärt hat es mir niemand.
Dieser Guide deckt jede Situation ab: Main Pots, Side Pots, Re-Raise-Recht und Showdown-Reihenfolge. Nie wieder einfrieren, wenn der Dealer anfängt, Stacks zu zählen. (Falls der grundlegende Setzablauf noch wackelig ist, findest du ihn im
Regel-Guide für Einsteiger.)
Was bedeutet „All-in“ beim Texas Hold'em?
All-in gehen heißt, jeden Chip zu setzen, den du vor dir liegen hast. Sobald du committed bist, kannst du keine Chips mehr nachlegen — und niemand kann dich mehr zum Folden zwingen.
Die Grundlage ist die Table-Stakes-Regel: Du darfst nur die Chips setzen, die zu Beginn der Hand auf dem Tisch lagen. Du kannst nicht in die Tasche greifen, dir Geld von einem Freund leihen oder deine Uhr und die Autoschlüssel drauflegen — das ist Hollywood-Poker.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Push / Shove / Jam | Slang dafür, All-in zu gehen |
| Table Stakes | Du kannst nur setzen, was zu Handbeginn vor dir lag |
| Double up | Ein All-in gewinnen und den Stack verdoppeln |
| Main Pot (Hauptpot) | Der Pot, den jeder gewinnen kann — auch der All-in-Spieler |
| Side Pot (Nebenpot) | Chips, die nur die größeren Stacks gewinnen können; der All-in-Spieler ist ausgeschlossen |
Sobald du All-in bist, siehst du garantiert alle verbleibenden Gemeinschaftskarten. Niemand kann dich mehr aus der Hand bluffen. Deine Karten bleiben bis zum River live.
Wie du All-in ansagst
Zwei gültige Wege:

Schieb niemals wortlos einen einzelnen Chip nach vorn — der Dealer wertet das nur als den Wert dieses Chips, nicht als deinen kompletten Stack. Sag immer laut „All-in“ oder beweg deinen gesamten Stack auf einmal.
Wie funktionieren Side Pots beim Poker? (Warum der All-in-Spieler gedeckelt ist)
Der All-in-Spieler kann nur gewinnen, was er selbst eingezahlt hat, multipliziert mit der Zahl der Caller. Alle Chips, die darüber hinaus gesetzt werden, bilden einen Side Pot, der ausschließlich den Spielern gehört, die ihn gefüllt haben.

Beispiel mit 3 Spielern (Standard)
| Spieler | Stack | Aktion |
|---|---|---|
| Spieler A | 100 Chips | All-in |
| Spieler B | 300 Chips | Callt 100, setzt dann 50 nach |
| Spieler C | 300 Chips | Callt 100, callt dann die 50 |
Side Pot: 50 × 2 = 100 Chips (nur B und C sind berechtigt)
Spieler A kann beim Showdown den Main Pot von 300 Chips gewinnen. Aber selbst wenn A insgesamt die beste Hand hält, kommt A an den Side Pot von 100 Chips nicht heran. Den gewinnt B oder C.
Beispiel mit 4 Spielern und mehreren Stacks
Hier wird es kompliziert — und genau hier steigen die meisten Anfänger aus.
| Spieler | Stack | Geht All-in für |
|---|---|---|
| A | 100 | 100 |
| B | 200 | 200 |
| C | 500 | 500 |
| D | 500 | callt alles |
| Pot | Betrag | Berechtigte Spieler |
|---|---|---|
| Main Pot | 100 × 4 = 400 | A, B, C, D |
| Side Pot 1 | 100 × 3 = 300 | B, C, D (A ist gedeckelt) |
| Side Pot 2 | 300 × 2 = 600 | C, D (A und B gedeckelt) |
| Gesamt | 1.300 | — |
Die Regel: Jeder Side Pot entsteht aus der Differenz bis zum nächstkleineren Stack × Zahl der Spieler, die sie mitgehen. Arbeite dich vom kleinsten Stack zum größten vor.
Öffnet ein All-in die Setzrunde neu? — Die Regel, die fast alle falsch verstehen
Das ist die meistdiskutierte All-in-Regel an Live-Tischen — ich habe erlebt, wie zwei Spieler fünf Minuten darüber gestritten haben, während der ganze Tisch wartete. Beide lagen falsch.
Die Regel: Geht ein Spieler für weniger als eine volle Erhöhung All-in, öffnet dieses All-in die Setzrunde für Spieler, die in dieser Runde bereits gehandelt haben, NICHT neu.

Beispiel:
Blinds $1/$2. Vier Spieler sehen den Flop.
1. Spieler A setzt $10. 2. Spieler B erhöht auf $25. 3. Spieler C geht für $30 All-in (nur $5 mehr als Bs Erhöhung auf $25 — kein voller Erhöhungsschritt).
Was passiert mit Spieler A und Spieler D?
- •Spieler A hat bereits gehandelt ($10 gesetzt). Weil Cs All-in von $30 weniger als eine volle Erhöhung ist (dafür wären mindestens $40 = $25 + $15 nötig), wird die Setzrunde für Spieler A NICHT neu geöffnet. A kann nur callen oder folden — re-raisen ist nicht erlaubt.
- •Spieler D hat noch nicht gehandelt — Spieler D darf ganz normal erhöhen.
| All-in-Betrag | Volle Erhöhung? | Öffnet die Setzrunde neu? |
|---|---|---|
| Weniger als eine volle Erhöhung | Nein | Nein — wer bereits gehandelt hat, kann nur callen oder folden |
| Volle Erhöhung oder mehr | Ja | Ja — alle Spieler dürfen erneut re-raisen |
Warum gibt es diese Regel? Sie schützt Spieler davor, durch Teil-All-ins in immer größere Erhöhungen gezwungen zu werden. Eine volle Erhöhung signalisiert echte Aggression — ein Shortstack-All-in für ein paar Krümel nicht.
Fortgeschrittener Fall: Was, wenn mehrere Spieler kurz All-in gehen?
An dieser Variante scheitern selbst Regulars. Mehrere kurze All-ins können sich zu einer vollen Erhöhung aufsummieren — und erreichen ihre kombinierten Erhöhungsschritte die Schwelle, wird die Setzrunde für Spieler, die bereits gehandelt haben, neu geöffnet.
Das ist die offizielle TDA-Regel zum „Re-opening the Bet“, und die meisten Kartenräume folgen ihr.
Beispiel (Blinds $1/$2, am Flop):
1. Spieler A setzt $10. 2. Spieler B geht für $14 All-in (+$4 Erhöhungsschritt — allein keine volle Erhöhung) 3. Spieler C geht für $21 All-in (+$7 Erhöhungsschritt — allein keine volle Erhöhung)
Kombinierte Erhöhungsschritte: $4 + $7 = $11 — das erreicht die Mindesterhöhung von $10.
Ergebnis: Die Setzrunde wird für Spieler A NEU GEÖFFNET. A darf folden, callen oder re-raisen, obwohl weder B noch C für sich genommen eine volle Erhöhung gemacht hat.
| Bs All-in | Cs All-in | Kombinierter Erhöhungsschritt | Neu geöffnet für A? |
|---|---|---|---|
| $14 (+$4) | $18 (+$4) | $8 — unter $10 | ❌ Nein |
| $14 (+$4) | $21 (+$7) | $11 — erreicht $10 | ✅ Ja |
| $15 (+$5) | $25 (+$10) | $15 — erreicht $10 | ✅ Ja |
Die Mindesterhöhung bemisst sich immer an der letzten vollen gültigen Bet oder Erhöhung — nicht an irgendeiner kumulierten Gesamtsumme.
Schnelle Entscheidungshilfe — Öffnet dieses All-in die Setzrunde neu?
| Situation | Neu geöffnet für Spieler, die bereits gehandelt haben? |
|---|---|
| Einzelnes All-in < volle Erhöhung | ❌ Nein — nur callen oder folden |
| Einzelnes All-in ≥ volle Erhöhung | ✅ Ja — alle dürfen re-raisen |
| Mehrere kurze All-ins, kombiniert < volle Erhöhung | ❌ Nein |
| Mehrere kurze All-ins, kombiniert ≥ volle Erhöhung | ✅ Ja |
| Spieler, der noch NICHT gehandelt hat | ✅ Darf immer erhöhen (unabhängig davon) |
All-in-Regeln beim Showdown
Wenn alle Setzrunden abgeschlossen sind und ein Spieler All-in ist, läuft der Showdown so ab:
1. Die Karten werden aufgedeckt. In Turnieren werden alle am All-in beteiligten Hände in der Regel offen hingelegt, sobald keine Einsätze mehr möglich sind. In Cash Games gilt zuerst die übliche Showdown-Regel des letzten Aggressors, danach zeigen die All-in-Spieler. 2. Side Pots werden zuerst vergeben. Der Dealer löst den zuletzt entstandenen Side Pot zuerst auf und arbeitet sich dann rückwärts bis zum Main Pot vor. 3. Cards speak — die Karten sprechen. Die beste Hand gewinnt jeden Pot, für den sie berechtigt ist — egal, was die Spieler ansagen. 4. Mehrere Gewinner sind möglich. Spieler A kann den Main Pot gewinnen und Spieler B den Side Pot. Keiner bekommt alles, nur weil er „seinen“ Pot gewonnen hat.
Ein Spieler kann den Main Pot gewinnen und gleichzeitig den Side Pot verlieren. Beide Ergebnisse sind völlig regulär.
Sonderfall: Bleibt in einem Side Pot nur ein einziger Spieler übrig (alle anderen haben gefoldet), bekommt dieser Spieler die Chips sofort zurück — für diesen Pot ist kein Showdown nötig.

